Montag, 29.06.2026 19:36 Uhr

Der Tod und die Dramatik in der griechischen Tragödie

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 29.06.2026, 08:12 Uhr
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Wien [ENA] Die griechische Tragödie, die im Rahmen religiöser Feste immer im Freien zu Ehren des Gott Dionysos uraufgeführt wurde, wurde nach strengen formalen Kriterien inszeniert, in der nur zwei männliche Schauspieler mit geschnitzten Masken alle Dialoge sprachen, ein Chor das Einzugslied sang und tanzte, das Geschehen mit philosophischen Überlegungen kommentierte und als Vermittler zwischen verfeindeten Positionen agierte.

So preist der Chor in der berühmten Tragödie "Antigone" von Sophokles, die 441 v.Chr. uraufgeführt wurde, die Fähigkeit des Menschen die Natur zu bezähmen, ermahnt ihn aber auch Maß zu halten und die göttlichen Gesetze zu halten. Um Gesetze geht es auch in der Antigone. In der Phänomenologie des Geistes von 1807, in der sich der deutsche Philosoph Hegel auch mit der Antigone beschäftigte, stellt er nämlich die göttliche Sittlichkeit der Familie, verkörpert durch Antigone, der Sittlichkeit des Stadtstaates gegenüber, die auf den Gesetzen des Mannes gegründet sei. Dieser Dualismus bewirkt aber, dass beide sowohl Recht als auch Unrecht haben können. Auch Goethe bemerkte dazu, dass das Tragische einen unauflösbaren Konflikt braucht.

Und doch ist die Dramatik der Antigone nur verständlich, wenn man tief in die griechische Mythologie des Thanatos, des Totengott eintaucht, dem Sohn der Nyx, der Göttin der Nacht. In der Theogonie des Hesiods entsteht Nyx aus dem Chaos mit ihren Geschwistern Gaia, die Erde oder Erebos, dem Gott der Finsternis, aus dessen Verbindung mit Nyx der Äther und der Tag entsteht, aber auch unzählige Übel wie Unheil, Verderben, Verhängnis, die Rache oder auch die conditio humana. Aber auch Eros, der Gott der begehrlichen Liebe gehört dazu, der in der Antigone Haimon, den Sohn des Königs Kreon verzaubert, der sich nun gegen seinen Vater auflehnt, der die Hinrichtung Antigones befohlen hat und sich aus unerfüllter Liebe in sein eigenes Schwert stürzt.

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