Donnerstag, 18.07.2024 04:31 Uhr

EURO 2024 Fan Fest

Verantwortlicher Autor: Theo Goumas München, 13.06.2024, 11:26 Uhr
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Ed Sheeran live auf der Fan Fest-Bühne
Ed Sheeran live auf der Fan Fest-Bühne  Bild: Theo Goumas

München [ENA] Das Eröffnungsspiel der EURO 2024 findet erst am Freitag, den 14.06.2024 statt, aber die Freude auf die EM im eigenen Land soll gesteigert werden und zwar mit einem Fan Fest zwei Tage davor. Nach der WM 2006, dem Sommermärchen schlechthin, soll's jetzt ein Sommermärchen 2.0, quasi Reloaded, geben.

Deutschland und München, wo das Auftaktspiel gegen Schottland und ein paar weitere Spielen stattfinden, sind im EM-Fieber, bzw. sollen dafür begeistert werden. Die Schotten sind schon da, Tage vor dem Spiel, und schauen sich die Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten an. So manche böse Zunge behauptet, sie machen die Stadt unsicher, was nicht bestätigt werden kann. Von der Polizei wird nichts gemeldet. Alles ruhig und geordnet.

Was wurde im Vorfeld dieser EM nicht alles gesagt, geschrieben und gestritten! Bei der WM vor 18 Jahren war alles anders, da gab's eine Vorfreude ohne Gleichen und die Welt war in der Tat zu Gast im Land. Überall gab's Feste, Public Viewing, wie man fälschlicherweise in meinem Dorf sagt, die Leute gingen in Nationaltrikots auf die Straße, Fahnen hingen von den Fenstern und wedelten an Autodächern und so mancher strich seine Gartenmauer in den Farben schwarz, rot und gold. Und jetzt? Stell dir vor, es ist EM und keiner geht hin? Deswegen auch ein umstrittenes Fan Fest, damit Stimmung aufkommt? Stimmung, die eher dem grauen Wetter gleicht?

Viel zu viele Regeln gibt's bei der diesjährigen EURO 2024. In der Presse stehen alle paar Tage (neue) Verhaltensregeln, wie, ob man bzw. wie man eine Flagge am Fenster oder Balkon anbringen kann, weil es dem Nachbarn eventuell nicht gefallen bzw. er sich daran stören könnte oder der Eigentümer der Bude es nicht erlaubt. Hinzu kommt ein Leibchen der Nationalmannschaft in einer umstrittenen Farbkombi, das sich angeblich wie warme Semmeln verkauft, die Debatte über diverse Rückennummern, die verboten wurden und von der Leistung der Mannschaft und ihre Chancen weit(er) zu kommen, wollen wir erst gar nicht reden.

Passend dazu wurde vor ein paar Tagen eine Studie veröffentlicht, welche die Stimmung im Land auf dem Punkt bringt. U.a. steht da, dass sich kaum Leute für Public Viewing begeistern und viel lieber zu Hause auf der Couch sitzen wollen. Public Viewing bedeutet übrigens öffentliches Leichenanschauen, da kann man schon verstehen, dass die Leute keine Lust auf makabre Sachen haben. Auch um das Fan Fest wurde sehr viel gestritten. Soll es stattfinden und wenn ja, wo? Im Olympiastadion ging es nicht, weil AC/DC spielen, Olympiahalle daneben sollte es auch nicht werden, andere Orte wurden in Betracht gezogen und nach sehr viel Streit ist es die Theresienwiese geworden.

Lange wusste keiner, wer überhaupt spielen würde, doch so gegen Ende des Winters standen die fünf Musiker fest. Tim Bendzko sollte das Fest eröffnen, danach sollte die noch wenig bekannte britische Künstlerin Dylan auftreten, gefolgt von Mark Foster, Nelly Furtado und Ed Sheeran. Starke Namen, die für ordentlich Stimmung sorgen sollen, dazu wurde das vermeintliche Spektakel von Bayern 3 präsentiert und ziemlich viel beworben. Weil ein Run auf die Tickets befürchtet, bzw. erhofft wurde, gab es eine Vorregistrierung mit Pre-Sale. Man musste sich auf der Seite von Eventim registrieren, bekam eine Bestätigung und ein paar Stunden Zeit, sich im Pre-Sale ein Ticket zu über 111 Euro zu kaufen. Erst danach began der eigentliche Vorverkauf.

Aber auch da gab es Streit seitens des Stadtrats in Form grüner Lokalpolitiker, die das Fest für so viele Menschen wie möglich öffnen wollten. Auf einmal waren Lärmbelästigung und Anwohnerschutz vergessen. Nach langem hin- und her einigte man sich den Preis auf 69 Euro zu senken. Unfair denjenigen, die 111 Euro dafür bezahlt haben. Danke! So wurden 90.000 Besucher erwartet, die es doch nicht geworden sind, aber so um die 60.000 sollen das Fest besucht haben. Es gab Tickets zu 69 Euro an der Abendkasse und auf Eventim sogar für 48 Euro die Tage davor.

Anscheinend war das Fest nicht für so viele Besucher angelegt, denn wie sonst lässt sich die katastrophale Lage vor Ort erklären? Das Gelände wurde umzäunt, es gab zwei Eingänge und diverse Notausgänge. Am Eingang Nord standen um kurz vor 16 Uhr tausende Besucher, die von den Ordnern in Reihen organisiert wurden. Nachdem lange Zeit sich nichts bewegte, fingen die Leute auf einmal in Richtung Einlasskontrolle zu laufen und zu gehen und bildeten eine große Traube. Langsam ging es rein, denn man musste sein Ticket in der Eventim-App vorzeigen (Ticket ausschließlich digital in der App), es wurde gescannt, es gab ein Armband mit der Zone drauf und danach wurden Taschen kontrolliert. Das führte dazu, dass man Tim Bendzko verpasste.

Einmal auf dem Gelände, wusste man nicht wirklich wohin, denn Ausschilderung war etwas dürftig. Da halfen die Ordner weiter. Anscheinend gab es drei verschiedene Zonen A, mindestens eine Zone B und einen VIP-Bereich und eventuell noch andere. An jeder Zone gab es nochmal eine Einlasskontrolle. Innerhalb der Zonen gab es Klos (mit sehr langen Schlangen davor), Stände mit Getränken und Speisen und sogar Cocktail-Ständen. Da es aber mehrere Zonen A gab, wollten viele so weit nach vorne wie möglich, was wegen der Kapazität nicht ging. Deswegen bildeten sich große Menschentrauben vor den Einlässen, was zur Folge hatte, dass man aus seiner Zone nicht raus konnte. Außerdem buhten die Leute als entsprechende Ansagen kamen.

Auch nach Festivalende hat es sehr lange gedauert, bis man draußen war. Viele Notausgänge blieben zu, und so wurde man zu den zwei Ausgängen und wenigen geöffneten Notausgängen gelotst. Was in der Menschenmasse im Dunkeln nicht ganz leicht war. Glücklicherweise waren die Besucher friedlich und alles verlief reibungslos. Auch ein Verkehrschaos blieb aus, denn die meisten waren mit den Öffentlichen oder mit dem Rad da. Da hat die Polizei gut mitgespielt und für Ordnung gesorgt.

Wie Tim Bendzko gespielt hat, kann der Schreiber dieser Zeilen nicht berichten, weil er draußen in der Schlange stand und man kaum etwas hören konnte. Jedenfalls hat er 30 Minuten gespielt. In der Pause danach sorgte Jerry Gstöttner, Moderator und DJ von BR3 für Stimmung. Dylan, die als zweite Künstlerin auftrat und die wenigsten gekannt haben dürften, legte eine sehr gute Show hin und war sehr gut drauf. Man sah es ihr an, wie viel Spaß sie hatte auf so einer großen Bühne zu spielen. Leider konnte keiner mitsingen, weil man die Lieder nicht kennt.

In der halbstündigen Pause danach erschien der BR3-Mann nochmal und überlies Mark Foster das Feld um 18 Uhr. Auf der Leinwand links stand allerdings Mike, auf der rechten Foster. Sein Auftritt fing eher mau an und steigerte sich langsam zu einer guten Show, in der er das Publikum miteinbezog und mehr als einmal für Gänsehaut sorgte. Er brachte sehr viele Hits und das Publikum sang jede Zeile mit. Nur am Outfit muss er was ändern. Diese übergroße Prolljacke im Stile eines Gansta-Rappers und ein T-Shirt mit einer URL drauf, sind beides No-Gos. Immerhin sang er eine Zugabe. In der Pause danach versuchte das Duo vom BR, Jerry Gstöttner und Steffi Fischer für Stimmung zu sorgen, was aber nicht so recht zündete.

Nelly Furtado kam auf die Bühne in einem Gewand, das die Modepolizei auf den Plan rufen sollte. Was war das, Frau Furtado? Goldenes Etwas mit grünem Dreieck vorm Schambereich, roten und grünen Stofffetzen an den Ärmeln und der Seite, Betonlächeln, 3-Wetter-Taft-Frisur und Make-Up, von dem sie Angst hatte, es nicht durch Bewegungen zu verwischen? Denn bewegt hat sich die gute Dame kaum. Sie spielte viele ihrer Hits und ein paar neuere Sachen, holte Ray Garvey auf die Bühne und für den EM-Hit Forca eine uns unbekannte Sängerin, bedankte sich artig nach jedem Lied beim Publikum und stellte sich sehr oft vor. Wozu? Eine so bekannte Sängerin dürften die meisten kennen, zumal sehr viele textsicher waren und mitsangen.

Danach folgte eine langweilige 45-minütige Umbaupause, in der Sponsoren- und Festivalwerbung lief. Irgendwann kamen die zwei Moderatoren vom BR mit Philip Lahm und einer anscheinend bekannten ehemaligen Fußballerin, die dem Schreiber unbekannt ist, auf die Bühne und sorgten für mehr Langeweile. Endlich kam Ed Sheeran auf die Bühne und brachte 90 Minuten lang ein fulminantes Spektakel. Spitzbübisch wie er ist, kam er im Englischen Trikot mit der Nummer 10 und dem Namen Bellingham auf dem Rücken. Da wollte man doch glatt fragen: Was erlauben Sheeran?

Die Bühne war mit den Symbolen seiner Alben und vielen anderen Symbolen, wie Schmetterlingen usw. ausgestrahlt und es ging mit sehr viel Power los. Die weiblichen Fans kreischten wie verrückt, als er auf die Bühne kam und die Besucher waren erstaunlich textsicher. Ed Sheeran kam zum ersten Mal mit Band auf die Bühne, üblicherweise ist er allein und hat eine Loop-Station vor sich, die er auch hier hatte und vorführte. Er sang viele seiner bekannten Lieder, bezog das Publikum mit ein, redete mit ihm, erzählte von seiner Anfangszeit in den Pubs in London, sorgte bei den diversen Balladen für Gänsehaut und viele Tausend Handys leuchteten ihm entgegen.

Der Schreiber dieser Zeilen kann hier mit Stolz ein wenig angeben und verkünden, dass er Mr. Sheeran schon kannte, als er noch nicht außerhalb der Insel der Glückseligkeit bekannt war, und somit jede Zeile mitsang. Zwei Mal gab es ein eher dürftiges Feuerwerk und Farbpulver im Himmel (als es noch nicht dunkel war) und ein besseres Feuerwerk ganz am Schluss, als Sheeran das Lied Bad Habits zu Ende sang und wie es scheint, vom Feuerwerk direkt vor ihm überrascht wurde. Zugabe gab's leider keine, denn das Festival sollte um 22:45 Uhr aus sein, was es auch war. Trotz der teilweise chaotischen Zustände und der nicht wirklich aufkommenden Stimmung, war es ein schöner Auftakt auf die kommenden vier Wochen.

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